Lampert´s Weingut Heidelberg
Lampert´s Weingut Heidelberg
 

Elli & Oswald

Lamperts's Walser ist ein Pinot Noir aus der Reblage "Rüfe", gelegen am alten Maienfelder Walserweg und wird im Grossholzfass und im Barrique ausgebaut. Er erzählt die tragische Liebesgeschichte von Elli und Oswald, einem jungen Hochzeitspaar aus der Maienfelder Walsersiedlung Stürfis:
 
In dem kleinen Walserdorf Stürfis oberhalb von Maienfeld liebte der Sohn eines begüterten Bauern ein armes, aber braves Mädchen. Der Vater des Jünglings mochte die Heirat aber nicht gestatten. Sein Oswald sollte nicht die Tochter einer Frau heimführen, die nur eine einzige Kuh auf die Alp zu treiben hatte. Doch der Sohn wollte nicht von seiner Elli lassen. Er riss im Trotz des Vaters Hellebarde von der Wand, um in den Mailänder Krieg zu laufen. Als der Vater sah, dass es seinem Sohne mit der Heirat so ernst war, gab er nach, auch gerührt von der Freundlichkeit des schönen Mädchens, das seiner Mutter eine gar besorgte Tochter war. 
          Am Tage vor der Hochzeit stieg Oswald nach Maienfeld hinunter, um allerlei Einkäufe zu besorgen. Auf dem Städtliplatz traf er Freunde, die mit ihm auf seine holde Braut anstiessen.
 
          Habt Dank, ihr Bürger Maienfelds,
          solang noch steht des Falknis Fels,
          soll währen unsre Freundestreue,
          der Rebsaft unser Herz erfreue!
  
Er sprach auch bei seinem Paten vor, der ihm ein Fässchen Maienfelder Wein von seinen besten Reben zum Brautschmause schenkte. Oswald band das Fässchen auf seine Rückentrage und das übrige obendrauf. In dichtem Schneegestöber stieg Oswald auf dem nächsten steilen Pfad über Rofels den Vatscherinerberg und Furnisgang hinauf. Es war spät geworden für den gut vierstündigen Weg nach Stürfis. In dem tiefen Schnee liess sich der schmale Fusssteig kaum erkennen. Immer dickere Flocken wehte ihm der Sturm ins Gesicht, als er bei einbrechender Dunkelheit beseelt vom Wein aufwärts stapfte.
 
          Wenn gleich verschneit die Höhen liegen,
          der Tag der dunkeln Nacht bald muss erliegen
          ich will durch Nacht und Eis und Schnee mich ringen,
          Ich will und muss den steilen Weg bezwingen.
 
          Noch eh’ die düsteren Nebel wieder weichen,
          werd ich das Walserdorf erreichen.
          Drum wache Elli, meine liebe Braut,
          uns harrt ein Glück, auf Fels gebaut.
 
          Morgen, Elli, wenn im Glanz der Sonne,
          hell erstrahlt der Berg voll Licht und Wonne
          morgen wird man uns auf ewig binden
          und den Hochzeitskranz uns winden.
 
Erschöpft erreichte er schließlich den Kamm und stieg durch den jetzigen Obersäss „zum Bad” abwärts. Ein Wunder war’s, dass er in der sternenlosen Winternacht bei diesem entsetzlichen Wind nicht den Weg verfehlte und mit seiner schweren Last in den Abgrund stürzte.
          Jetzt, da das Schlimmste überstanden war, stellte Oswald das hochgeladene Räf an einen grossen Felsblock, der nah am Pfade stand. Nur einen Augenblick dachte er zu ruhen und setzte sich, mit dem Rücken an den Stein gelehnt daneben. Die Bürde hatte ihn mit der Zeit zu drücken angefangen. Seine Gedanken schweiften hinunter nach Stürfis, wo er Elli seiner harrend wusste.
 
          Wie mühsam war der Berg
          doch bald ist er bezwungen.
          Verbissen hab’ ich Schritt für Schritt,
          Mit Ziel und Zeit gerungen.
 
          Noch einmal will ich frischen Atem schöpfen
          und neue Kraft zum Aufstieg sammeln.
          Hier an den Fels lehn’ ich die schwere Last
          jetzt an. Dann schreit ich neugestärkt von dannen.
 
          O Elli, liebe Braut,
          Dir schlägt dein Herz in bangen Sorgen.
          Ich komm’ zu dir, sei unverzagt,
          Ich bin in Gottes Hut geborgen.
 
          Mein Elli, sieh’ den hellen Stern,
          wie er leuchtet durch die Nacht! 
          Dir und mir hält Treue er so gern
          und führt uns heimwärts sacht.
 
          Drum harre aus und halte Wacht,
          ich komm’ noch heut zu dir.
          Frohlocke laut, der Festtag naht,
          ich komm’ zu dir, ich komm’ zu dir.
 
Auf einmal fielen ihm die Augen zu, und wie das bei Übermüdeten bei grosser Kälte zu geschehen pflegt, schlief er sogleich ein, um nie wieder zu erwachen.
          In grosser Unruhe wartete unterdessen sein Braut unten in Stürfis auf die Heimkehr ihres Geliebten. Er hatte ihr fest versprochen, am Abend zurück zu sein, koste es was es wolle. Als es dunkler und dunkler wurde, machte sie sich aus Angst um sein allzu langes Ausbleiben auf, um ihm entgegenzugehen. 
 
          Ich weiss, er will den Berg erzwingen
          und will sich durch die Schneelast ringen,
          Ich muss ihm helfen gehn, so lasst mich eilen,
          nicht länger kann ich hier verweilen.
 
Mit Mühe bahnte sie sich einen Pfad durch den frischen Schnee, dem verhängnisvollen Bergjoch zu. Es war tiefe Nacht geworden, und noch steig kein Oswald den Berg herunter. Bis zu dem Felsblock unter dem Kamm hatte sie sich hinauf gearbeitet. Nun lehnte sie traurig und todmüde gegen den hohen Stein, der wenigstens Schutz bot vor dem beissenden Schneesturm. 
 
          Gottlob, jetzt ist der Stein erreicht.
          Hier führt der schmale Pfad vorbei.
          Hat Oswald sich verirrt vielleicht?
          Mein Gott, o führ’ ihn du herbei,
 
          Oswald! Oswald! Wo mag er sein?
          Die kalte Nacht brach längst herein,
  
Da überfiel bleierne Müdigkeit die Erschöpfte. Sie liess sich niedergleiten in die flaumige Schneewehe. Ihre Augen schlossen sich, und sie schlummerte ein, ohne zu ahnen, dass nur die Breite des Felsens sie von ihrem Geliebten trennte, den dasselbe Schicksal ereilt hatte.
          Am frühen Morgen fand man bei heiterem Frostwetter, den Fussspuren des Mädchens folgend, beide tot an der Stelle, wo sie zur Nacht in den Schlaf gesunken waren.